Corona-Krise: Betroffenheit der Wiener Wirtschaft

02.04.2020

Eine Kurzanalyse des WIFO-Forschungsbereiches Strukturwandel und Regionalentwicklung

Eine am 2. April 2020 veröffentlichte Kurzanalyse des WIFO-Forschungsbereiches Strukturwandel und Regionalentwicklung schätzt die relative Betroffenheit der Wiener Wirtschaft im Vergleich zur nationalen Ebene auf Basis des aktuellen Informationsstandes ein.

Ziel war es, allfällige Spezifika der Wiener Wirtschaft im Hinblick auf die ökonomischen Konsequenzen der derzeitigen Phase der COVID-19-Krise im Vergleich zu Österreich zu identifizieren. Zusammenfassend können die Kernergebnisse der Kurzanalyse wie folgt umrissen werden:

  • Trotz erheblicher struktureller Unterschiede zu Österreich zeigt sich für Wien in der derzeitigen Krisenphase ein insgesamt ähnlicher Grad der ökonomischen Betroffenheit.

  • Zwar ist in der Wiener Stadtwirtschaft ein leicht höherer Anteil der regional Erwerbstätigen in nicht betroffenen Branchengruppen tätig. Gleichzeit liegt jedoch auch der Beschäftigtenanteil in Branchengruppen marginal höher, welche aufgrund der derzeit geltenden Restriktionen ihre Geschäftstätigkeit nicht oder kaum ausüben können und daher ökonomisch stark oder sehr stark von der Krise betroffen sind.

  • Insgesamt sind laut den Ergebnissen in der aktuellen Phase der COVID-19-Krise Branchengruppen mit mehr als zwei Drittel der Wiener Erwerbstätigen von deren ökonomischen Folgen zumindest erheblich tangiert. Horizontale Maßnahmen mit breiter sektoraler Wirkung dürften damit in der derzeitigen Lage selektiven Maßnahmen zur Stützung spezifischer Bereiche tendenziell vorzuziehen sein.

  • Die Gefahr von angebotsseitigen Produktionsstörungen durch COVID-19-bedingte Arbeitskräfteausfälle ist in Wien nach den vorliegenden Resultaten deutlich geringer als in Österreich, bleibt aber auch in der Stadtwirtschaft erheblich.

  • Höhere Erwerbstätigenanteile in Branchengruppen mit allenfalls moderatem Ausfallrisiko gehen in Wien mit deutlich geringeren Anteilen in Branchen mit hoher oder sehr hoher Gefahr von Produktionsstörungen durch COVID-19-bedingte Arbeitskräfteausfälle einher. Dies ist vorrangig durch fehlende Spezialisierungen Wiens in weiten Teilen des produzierenden Bereichs mit seinen Präsenznotwendigkeiten vor Ort bedingt.

  • Selbst in Wien sind Branchengruppen mit mehr als der Hälfte der regionalen Erwerbstätigen gegenüber potentiellen Arbeitskräfteausfällen allerdings sehr sensitiv. Auch hier ist die Gefahr von Produktionsstörungen aus COVID-19-bezogenen Ausfällen im Arbeitskräfteangebot daher virulent.

Herzstück der WIFO-Analyse war eine tiefgehende Bewertung der einzelnen Branchengruppen in Hinblick auf ihre ökonomische Betroffenheit in der derzeitigen Krisenphase. Zur Bewertung der (insgesamt 88) Branchengruppen wurden vielfältige Informationsquellen genutzt, namentlich empirische Indikatoren-Analysen, sektorale Informationen aus dem makroökonomischen WIFO-Konjunkturszenario 2020, aber auch selektive Interviews, Medieninformationen sowie qualitative Einschätzungen eines breiten WIFO-Expertenteams.
 

Publikationen

Monographien, März 2020, 42 Seiten
Auftraggeber: Magistrat der Stadt Wien, MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 02.04.2020 12:00
 
In der derzeitigen Phase der COVID-19-Krise erscheint die Wirtschaft in Wien ähnlich betroffen wie in Österreich insgesamt. Ein einfacher Strukturansatz auf Basis eingehender Branchenanalysen zeigt für Wien jedoch spezifische Ursachen in den einzelnen Sektoren. Die Gefahr angebotsseitiger Produktionsstörungen durch den krisenbedingten Ausfall von Arbeitskräften ist auch in Wien erheblich, aber deutlich geringer als im Österreich-Durchschnitt.
Rückfragen an

Mag. Dr. Peter Mayerhofer

Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung
© Jacek Dylag/Unsplash
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