Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.

Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.

Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) monatlich aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.

 

Aktueller Index

Veröffentlichung vom 20. 2. 2024

Die wirtschaftliche Aktivität auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) ging im Jänner 2024 (Kalenderwochen 1 bis 4, 1. bis 28. Jänner) um 3% gegenüber dem Vorjahr zurück.

WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten

Auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) lag die Wirtschaftsleistung in Österreich im Jänner (Kalenderwochen 1 bis 4) um 3% und – in der vorläufigen Schätzung – in den ersten beiden Februarwochen (Kalenderwochen 5 und 6) um 4¼% unter dem Vorjahresniveau (Dezember 2023 –3½%, revidiert). Die deutliche Revision gegenüber der letzten WWWI-Rechnung für den Dezember 2023 geht auf eine merklich schwächere Realisierung der Produktionsindizes für die Industrie und vor allem für die Bauwirtschaft im Dezember zurück, was auch eine schwächere Produktionsleistung in den wirtschaftsnahen Dienstleistungen zur Folge hat1).

Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte zeigt im Jänner für die Nachfrage nach Gütern (Einzelhandelsumsätze) noch einen markanten und für die 1. Februarhälfte einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Bei der Dienstleistungsnachfrage zeigt sich dasselbe Muster, aber etwas ausgeprägter. Der private Konsum dürfte im Jänner um 1% und Anfang Februar um ½% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sein (Dezember –2%).

Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen wird von der Wirtschaftsleistung (Industrieproduktion) und der Stimmung im produzierenden Bereich (gemäß WIFO-Konjunkturtest) bestimmt. Im Jänner wird der Rückgang gegenüber dem Vorjahr auf 7% geschätzt (Dezember –8½%).

Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres sanken die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen und das Schienengüterverkehrsaufkommen im Jänner und Anfang Februar neuerlich. Demgegenüber nahm die Zahl der abgefertigten Flüge auf dem Flughafen Wien weiter zu. Obwohl die Exporte insgesamt schrumpften, verbesserten sich die Nettoexporte leicht, da die (Waren‑)Importe noch stärker zurückgingen. Der geschätzte Wachstumsbeitrag der Nettoexporte i. w. S. zum BIP war damit im Jänner mit +¼ Prozentpunkt gerade noch positiv (Dezember +½ Prozentpunkt).

Die schwache Entwicklung im Gütertransportwesen schlägt sich auch in der Wertschöpfung des Bereichs Verkehr (ÖNACE H) nieder. Sie blieb im Jänner mit –3¼% und in der 1. Februarhälfte mit –1¼% unter dem Vorjahresniveau (Dezember –3%).

Im güterproduzierenden Bereich (ÖNACE A bis E) lag die Beschäftigung im Jänner erstmals seit Februar 2021 wieder unter dem Vorjahreswert und die Zahl der Arbeitssuchenden befindet sich zwar nach wie vor auf einem im langjährigen Vergleich relativ niedrigen Niveau, steigt aber im Jahresabstand seit April 2023 zunehmend an. Anfang Februar lag sie in etwa auf dem Niveau von Anfang Februar 2020. Der WIFO-Konjunkturtest zeigt sowohl bei der Beurteilung der aktuellen Lage als auch bei den Erwartungen für die kommenden Monate eine äußerst pessimistische Stimmung unter den sachgütererzeugenden Unternehmen. Ausgehend von der schwächeren Ausgangslage im Dezember (Produktionsindex) und den Indikatoren für Jänner und Februar rechnet das WIFO im Jänner mit einer um 7% und für Anfang Februar mit einer um 12¼% geringeren Wertschöpfung im güterproduzierenden Bereich als im Vorjahr.

Auch in der Bauwirtschaft (ÖNACE F) musste die geschätzte Vorjahresveränderung der Wertschöpfung mit nunmehr –8½% für Dezember gegenüber der bisherigen Rechnung deutlich nach unten revidiert werden. Im Jänner hat sich laut WIFO-Konjunkturtest die aktuelle Lageeinschätzung der Bauunternehmen nicht weiter verschlechtert, die Erwartungen für die nächsten Monate trübten sich jedoch wieder ein. Die Zahl der Arbeitslosen im Bauwesen steigt seit einem Jahr im Vorjahresvergleich, die Beschäftigung sinkt seit einem halben Jahr. Basierend auf der ungünstigeren Ausgangslage im Dezember und den relativ stabilen Lageindikatoren wird im Jänner ein Rückgang der Wertschöpfung um 8½% und in der 1. Februarhälfte um 9% gegenüber dem Vorjahr erwartet.

Basierend auf bargeldlosen Transaktionen im Bereich Restaurants und Hotels, den Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest und Online-Suchanfragen von Gästen aus dem Ausland wird die Wertschöpfung im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE I) im Jänner um 1% und Anfang Februar um 2¾% niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum geschätzt (Dezember +¼%, revidiert). Im Handel (ÖNACE G) blieb die Wertschöpfung im Jänner um 3¾% unter dem Vorjahresniveau (1. Februarhälfte 2024 –3%, Dezember 2023 –3¾%).

Auf Basis der Indikatoren zur aktuellen Lage und den Erwartungen aus dem WIFO-Konjunkturtest, der aktuellen Beschäftigungssituation sowie der ungünstigen Entwicklung in der Sachgütererzeugung verschlechtert sich die Dynamik der übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N) zunehmend: Im Vergleich zum Vorjahr ging die Wertschöpfung im Jänner um ¾% und in der 1. Februarhälfte um 1¾% zurück (Dezember –1¼%). Für die sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE R bis T) wird auf Grundlage der preisbereinigten bargeldlosen Zahlungen im Bereich des Veranstaltungswesens im Jänner und der 1. Februarhälfte mit einem Anstieg der Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um 2½% bzw. 3% gerechnet (Dezember +2½%).



1)  Mit der Veröffentlichung der vorläufigen Produktionsindizes für die Industrie und die Bauwirtschaft für Dezember 2023 durch Statistik Austria am 9. Februar 2024, wurden auch die bisherigen November-Werte nach unten korrigiert. Zusammen mit der Berücksichtigung weiterer neu veröffentlichter Monatsdaten, die bei der Schätzung des WWWI erfüllt werden müssen, führte dies zu einer Revision des WWWI für das BIP: November 2023 –¼ Prozentpunkt, Dezember 2023 –2 Prozentpunkte. Zu nennenswerten entstehungsseitigen Abwärtsrevisionen kam es insbesondere in den Bereichen Güterproduktion (ÖNACE A bis E) und Bauwesen (ÖNACE F) sowie in geringerem Ausmaß in den Bereichen übrige Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N) und Handel (ÖNACE G). Eine Aufwärtsrevision gab es im Verkehr (ÖNACE H).

 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 

 

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